Stationärrollen

  • [autor=Flyfischer]05. November 2004 23:19[/autor]
    Gegenüber dem Rutenkauf geht es erheblich einfacher beim Rollenkauf zu.
    Eine Stationärrolle mittlerer Größe mit zwei oder drei Spulen für verschiedene
    Schnurstärken reicht aus, um mindestens zwei Drittel aller Angelsituationen
    zu meistern. Wie bereits jedem bekannt, sollte man auf Qualität achten.
    Wer auf (überflüssigen) technischen Schnickschnack verzichtet, bekommt zu
    einem Preis um 50,00 Euro herum eine wirklich solide Rolle.


    Nun erkläre ich mal, wie die Stationärrolle funktioniert und warum sie so heißt!
    Woher also kommt der Name Stationärrolle?
    Während bei den ersten Angelrollen die Schnurspule um ihre eigene Achse
    rotierte, bewegte sich bei der Stationärrolle die Spule nicht.
    Sie steht stationär auf einer Achse, ein Rotor mit Schnurführung dreht sich
    um sie herum und spult die Schnur auf. Die ursprüngliche Rollenform finden
    wir noch bei Multi und Fliegenrollen wieder.


    Getriebe & Co


    Betrachten wir die Stationärrolle aus der Nähe. Ihr Gehäuse läuft aus in den
    Rollenfuß, mit dem sie an der Rute befestigt wird. Beim Werfen und fischen
    fasst Ihre Hand um den Fuß, so habt Ihr die Rolle gut im Griff.
    Im Gehäuse liegt das Getriebe, das die Umdrehungen der Kurbel auf die Achse
    des Rotors übersetzt. Das Verhältnis zwischen den Umdrehungen von Kurbel
    und Rotor wird als Übersetzung bezeichnet.
    Bei einer Übersetzung von 1:5 (dies ist ein guter Mittelwert für eine Allround-
    Rolle) dreht Ihr eine Runde mit der Kurbel, und der Rotor rotiert fünfmal um die
    Spule, wickelt also fünf Lagen Schnur auf.
    Eine wichtige Funktion hat der Schnurfangbügel. Zum werfen klappt man ihn
    um, so dass die Schnur frei von der Spule laufen kann. Der Angler hält die
    Schnur mit dem Zeigefinger und lässt sie beim Wurf im richtigen Augenblick
    los. Der Bügel schlägt nach der ersten Kurbelumdrehung danach wieder zurück,
    fängt die Schnur ein und legt sie unter das gehärtete, bei guten Rollen
    rotierende Schnurführungs-Röllchen.Die Spule steht nicht wirklich auf ihrer
    Achse, sondern ist drehbar gelagert.Bremsscheiben regulieren den Widerstand,
    mit dem ein starker Fisch im Drill Schnur abziehen und bei möglichst
    großem Kraftaufwand flüchten kann.Die Bremse ist eines von der Qualität
    her wichtigstes Merkmal der Rolle.Sie muss auf der verwendeten
    Schnurstärke fein einstellbar sein und ruckfrei ohne zu starken Anfangswiderstand
    regulieren.


    Front- oder Heckbremse?


    Front- und Heckbremse sind zwei unterschiedliche Bremssysteme für Stationär-
    rollen. Beide haben ihre Anhänger (Fan`s), Vor- und Nachteile.
    Vorteil: Bei der Frontbremse sitzt der Bremsmechanismus in der Spule, er wirkt
    direkter und ist fein einstellbar.
    Nachteil: Beim wechseln der Spule muss man die Bremsschraube ganz lösen.
    Dieses Verfahren ist bei manchen Rollen etwas umständlich.
    Beim Verändern der Bremseinstellung während eines Drills, müsst Ihr vorne
    an der Spule herum fummeln und geratet dabei möglicherweise in die Schnur.


    Die Heckbremse wird über ein Schraubrad hinten an der Rolle eingestellt.
    Sie wirkt auf die Spulenachse, wirkt also nicht ganz so direkt. Bei guten Rollen
    ist dies freilich kein wesentlicher Nachteil. Bei Rollen mit Heckbremse
    lässt sich die Spule durch eine einfache Druckknopf-Funktion abnehmen.
    Dies ist wiederum der Vorteil!
    Stationärrollen haben eine Rücklaufsperre. Wenn diese deaktiviert ist,
    kann man die Kurbel, sowohl als auch die Rolle vor- oder rückwärts bewegen.
    Bei aktivierter Sperre geht es nur vorwärts. Dieser Mechanismus verhindert
    weitgehend, dass der Rotor sich während der Wurfbewegung-
    ...selbstständig macht,
    ...den Schnurbügel zu früh umschlagen lässt,
    ...den Wurf damit abbricht.
    Blei oder Vorfach reißen ab oder fliegen zum Absender zurück.
    Erstklassige Rollen besitzen eine stufenlose Rücklaufsperre, dabei haben Kurbel
    und Rotor rückwärts keinerlei Spiel.
    Kugellager sind ein weiteres Qualitätsmerkmal. Gewiss wird bei diesem Thema
    von den Herstellern, zum Teil gerne etwas übertrieben. Rollen mit 10 und mehr
    Kugellagern- überall dort, wo sich was dreht- braucht man nicht. Sie werden durch
    das Gewicht der Lager nur unnötig schwer. Drei oder vier Kugellager für die
    Kurbelachse und die Achse des Rotors, sollte die Rolle aber schon aufweisen.
    Die Qualität des Getriebes erkennt man u.a. an der Art und Weise, wie die Schnur
    aufgespult wird. Eine ebenmäßige, leicht konische Wickelkontur ist Voraussetzung
    für saubere Würfe. Wenn sich beim Aufwickeln ungleichmäßige Schnur-Wülste
    bilden, ist das Getriebe schlecht abgestimmt. Ruckzuck handelt man sich die
    so genannte Perücke ein. In diesem Falle ist eine neue komplette Schnur
    unumgänglich.