• [autor=Käptn Blaubär]05. März 2005 13:26[/autor]
    Unter der Rubrik "Spinner" werden verschiedene Typen von Ködern vorgestellt, die alle ein oder mehrere bewegliche Metallblätter besitzen. Diese sog.Spinnerblättern beginnen im Wasser beim Einholen, also unter Zug, zu rotieren und erzeugen so Druckwellen und u.U. auch Lichtreflexe, die vom Raubfisch über sein Seitenlinienorgan wahrgenommen werden und ihn zum Anbiss verleiten sollen. Ob sie ihm nun eine leichte (verletzte) Beute vorgaukeln oder sein Aggressionsverhalten ansprechen, mag dahingestellt sein, ist letztendlich aber auch egal, solange sie nur beissen :).


    Allgemeines:


    Der zentrale Punkt beim Spinner ist das Spinnerblatt, um das sich im wahrsten Sinne des Wortes alles dreht. Neben unzähligen verschiedenen Blattformen spielen auch Gewicht, Blattdicke und Oberflächenbehandlung eine große Rolle. Es gibt ein paar Faustregeln (die zwar nicht immer stimmen, aber meistens):


    1) Je dünner das Blatt, desto leichter rotiert es.
    2) Je schwerer das Blatt, desto mehr Druckwellen erzeugt es.
    3) Blätter mit rauher Oberfläche (z.B. gehämmerte Blätter) erzeugen mehr Druckwellen als glatte Blätter.
    4) Je schmaler ein Blatt, desto schneller und enger am Körper rotiert es.

    Hier ein paar Beispiele für verschiedene Blattformen und ihre Eigenschaften:



    Legende:
    1) Ein "Deltablatt" eines sog. "Buzzbaits"
    2) Ein Inline-Spinnerblatt, bei dem die Achse direkt durch das Blatt geht
    3) Die "Weidenblatt"-Form
    4) Das Standard-Spinnerblatt (was immer hier auch "Standard" bedeuten mag)
    5) Das "Indianablatt"
    6) Das "Coloradoblatt"


    Die Blätter 1) und 2) werden ohne Bügelchen direkt auf die Achse montiert, die Blätter 3) bis 6) werden über ein frei rotierendes Bügelchen mit der Achse verbunden. Beim Kauf von Spinnern sollte man darauf achten, das die Blätter bzw. die Bügel durch entsprechende Kugeln und/oder Gelenkkörper beidseitig abgesichert sind, damit sie auch frei rotieren können. Natürlich sind das nur die wichtigsten Blattformen, es gibt natürlich noch unzählige Übergangsformen, die ich aus verständlichen Gründen hier nicht alle darstellen kann (ist ja kein Bilderbuch :)). Noch eine Bemerkung zum Design von Spinnern:
    Meiner Meinung nach sollte man etwas mehr Augenmerk auf das Design des Körpers legen. Beim schnell rotierenden Spinnerblatt verschwimmen allzu feine Details komplett, aber der Körper liegt ja verhältnismäßig ruhig und praktisch immer im Blickfeld. So gehören Augen, etc. auf den Körper und nicht auf das Blatt, dort können sie kaum als solche wahrgenommen werden. Die Farbe & Oberflächenbeschaffenheit des Blattes oder eventuell darauf aufgebrachte Folien sind natürlich ebenfalls sehr wichtig, aber auf Schuppen, Augen und ähnlichen Schnickschnack kann man auf dem Blatt getrost verzichten (die sind nur für den Angler, nicht für die Fische ;-)).


    Köderführung:
    Spinner arbeiten nur unter Zug, daher ist die Standardtechnik "Auswerfen und Einkurbeln". Das macht Spinner gerade auch für Anfänger interessant, man braucht sich den Kopf nicht über raffinierte Führungstechniken zu zerbrechen, sondern kann sich aufs Wesentliche konzentrieren. Natürlich sind bei der Köderführung der Phantasie auch hier keine Grenzen gesetzt, das Variieren der Einholgeschwindigkeit, kurze Spinnstops mit kurzem Absinken des Köders sind immer einen Versuch wert, gerade, wenn die Standardtechnik (s.o.) es nicht bringt.


    Einsatzbereich:
    Spinner lassen sich nicht so gut werfen wie Blinker, das bewegliche Blatt flattert und ist (insbesondere bei Inline-Spinnern) aerodynamisch nicht gerade förderlich. Daher wird man eher nur mittlere Weiten erreichen, außer vielleicht mit speziellen Weitwurfspinnern.Dazu haben viele Spinner die Tendenz sich beim Aufprall auf dem Wasser in der Schnur zu verheddern, dagegen hilft das Abremsen der Schnur auf der Rolle kurz vor dem Aufschlag, damit sich die Montage strecken kann. (Das kostet leider aber auch ein bißchen Wurfweite.) Allzuviel Strömung ist dem Spinner auch nicht zuträglich, insbesondere wenn man ihn mit der Strömung einholt. In dem Fall sind möglichst schmale, schnell rotierende Blätter angesagt. Auch bereitet Kraut dem Vergnügen schnell ein Ende, daher ist der Spinner (auch hier gibt es natürlich Ausnahmen) nicht gerade ein Topköder im Hochsommer, wenn das Kraut voll im Saft steht.


    Ausrüstung:
    Oberflächenköder werden mit normalen, dem Ködergewicht (und Zielfisch) angepassten Spinngerät gefischt. Wegen des zu erwartenden Schnurdralls und den damit verbundenen Unanehmlichkeiten würde ich monofile Schnüre vorziehen, da Perücken bei multifilen Schnüren doch erhebliche größere Anforderungen an die Geschicklichkeit, Geduld und Leidensfähigkeit des betroffenen Anglers stellen :).


    Zielfische:
    Alles was Schuppen hat und zumindest gelegentlich (das gilt auch für einige sog. "Friedfische") der fleischlichen Kost nicht abgeneigt ist, vor allem natürlich die Raubfische Hecht, Zander, Salmoniden & Barsche im Süsswasser und Meerforellen, Wolfsbarsche, Hornhechte, Makrelen, Dorsche etc. im Salzwasser.


    Zum Abschluß dieser allgemeinen Einleitung zum Thema "Spinner" möchte ich noch einen Abschnitt einer unangenehmen Begleiterscheinung des Fischens mit Spinnern widmen:


    Drall:
    Alle rotierenden Köder verdrallen die Schnur mehr oder weniger stark, wobei sich Köder mit Inlineblättern (1) und 2)) eher positiv hervortun, insbesondere wenn sie, wie z.B. das Deltablatt symmetrisch aufgebaut sind. Selbst extreme Antidrall-Montagen mit Plättchen und Dreifach-Wirbeln helfen nur bedingt:



    irgendwann ist die Schnur trotzdem verdrallt und macht Ärger. Als Abhilfe gibt es besonders geformte Antidrallbleie, die seit neuestem auch in Deutschland erhältlich sind, und zwar bei Askari http://www.angelsport.de/cgi-b…t/DE/product/92176.85.585:



    (Ein kleiner Wermutstropfen ist allerdings das für Spinnfischer eher ungeignet hohe Gewicht von 70g)


    Man kann sich diese Teile auch leicht aus einem normalen Birnenblei ohne Wirbel zurechtfeilen.(Vorsicht: Blei ist giftig!) Dann knotet man sie direkt an die Hauptschnur, wirft aus und holt das Blei wieder ein. Durch das (entgegengesetzt zum Spinner) rotierende Blei wird die Schnur dabei entdrallt. Die ganze Prozedur wiederholt man solange, bis die Schnur einen leichten Gegendrall hat. (Einfach das Blei frei hängen lassen und die Rotation beobachten).

  • [autor=Käptn Blaubär]09. April 2005 13:29[/autor]
    Obwohl Spinner per se nicht gerade die Weitwurfköder schlechthin sind, gibt es doch einige, die weiter als andere fliegen. Da ich generell gerne Weitwurfköder fische, getreu dem Motto "Was weit fliegt, ist auch lange im Wasser", zählen diese Spinner auch zu meinen Lieblingsködern. Hier mal eine kleine Auswahl:



    Legende
    1) MA-SO-CA Spinner, ca. 14g
    2) "Spark" von ILBA, ca. 10g
    3) "Prolex" Weitwurfspinner von Profi-Blinker, ca. 20g
    4) "Colonel Bomb" von Balzer, ca. 15g


    Was macht einen Spinner nun zum Weitwurfspinner?
    Dazu zunächst mal eine Abbildung, wie ein Spinner beim Flug etwa aussieht:



    Der Drilling und das Blatt klappen nach hinten und flattern mehr oder weniger stark.Die einzelnen Bauteile haben einen recht unterschiedlichen Einfluss auf das Flugverhalten:


    Körperform
    Der Körper sollte aerodynamisch und möglichst keulenförmig geformt sein, d.h. möglichst viel Gewicht sollte zum Drillingsende hin verlagert sein. Das Ende sollte allerdings möglichst abgerundet sein, ist es konkav nach innen eingedellt (wie beim Prolex-Spinner) so ist das nicht optimal, da diese Einbuchtung durch den erhöhten Luftwiderstand bremst. Aus diesem Grunde sind auch die sog. "Glockenspinner" (Vibrax etc.) keine guten Weitwurfspinner, obwohl die Körperform und die Gewichtsverteilung an sich nicht so übel ist, aber das Göckchen über dem eigentlichen Spinnerkörper wirkt halt als Luftfänger und Flugbremse. Im Zweifelsfall würde ich sogar Aerodynamik über Gewichtsverteilung stellen, der Ma-So-Ca Spinner z.B. fliegt besser als der "Prolex", obwohl hier die Gewichtsverteilung nicht optimal ist (wenn die untere Kugel schwerer als die obere wäre, würde es noch besser fluppen).


    Blattform
    Die Blattform spielt eine wesentlich geringere Rolle als die Körperform, obwohl das Blatt an sich die Hauptbremse beim Flug ist, besonders, wenn es stark flattert. Die Würfe bei denen das Blatt nicht oder kaum flattert, gehen mit Abstand am weitesten, allerdings habe ich noch nicht herausbekommen, wie man das Flattern zuverlässig verhindern kann. Eine ruhige, gleichmäßig beschleunigende Ausholbewegung ist allerdings sicher hilfreich, außerdem neigen schmale Blätter nach meine Erfahrungen etwas weniger zum Flattern. Die haben allerdings auch ein etwas anderes Rotationsverhalten beim Einholen, sie rotieren schneller und enger am Körper. In strömenden Gewässern ist das oft erwünscht, insbesondere, wenn man den Spinner mit der Strömung einholt, in Stillgewässern bevorzugt man aber eher breitere Blätter, die etwas mehr "Radau" machen und stärkere Druckwellen erzeugen. Wenn also Wurfweite wichtiger ist als das Reizverhalten des Spinners, sollte man auf schmalere Blätter zurückgreifen.


    Hakenform
    Ob man nun Drillinge oder Einzelhaken verwendet, dürfte keine große Rolle spielen, die geringen Unterschiede im Luftwiderstand gehen vermutlich in den anderen Effekten unter. Auf jeden Fall verzichten sollte man aber auf irgendwelche Verzierungen am Haken, insbesondere die sonst so beliebten aufgebundenen Puschel, Röckchen etc. wirken wie "Bremsfallschirme" und sind alles andere als hilfreich. Leider sind selbst die Hersteller oft zu dämlich, um das konsequent durchzuziehen:



    Eigentlich ein schöner Weitwurfspinner mit perfekt geformten Körper und schlankem Blatt, quasi die Claudia Schiffer unter den Weitwurfspinnern ;-). Wenn da nicht der fette Bremsfallschirm am Drilling wäre :( !


    Fertig ist der perfekte (?) Weitwurfspinner!