Moin und hallo,
Ich bin ja manchmal recht neugierig, und so hätte ich gern von euch gewusst, wie es in eurem Vereinen so aussieht.
Ich schreibe einfach einmal, dann werdet ihr merken, um was es geht.
1962 hat mich mein Vater als 10jährigen Budsche mit zur AIG-Hamburg ( Angler-Interessen-Gemeinschaft) mitgenommen. Das Vereinslokal ( Gurlitt-Inselcafe) an der Außenalster war zur Jahreshauptversammlung gut besucht. Ein Zigarre rauchender alter Mann, der mit anderen Männern an einem Stirntisch saß verkündete die Zahl der Anwesenden. Es war eine Zahl über 100 und der ganze Raum war erfüllt von Qualm, der mir in den Augen brannte. Es kamen immer noch mehr Leute, rauchten, setzten sich und bestellten Bier. Der Verein hatte zu der Zeit ca. 350 Mitglieder. Die Männer sabbelten, hoben die Hände und dann sabbelte ein anderer Mann. Ich verstand überhaupt nichts, lutschte an meiner Frisco und rieb mir die tränenden Augen. Herr Christiansen, unser Jugendwart, nahm die Jugendlichen, also auch mich mit, in einen anderen Raum. Im großen Saal wurde es für die Alten zu eng.
Herr Christiansen war neben dem Angeln auch ein begeisterter Sammler von Grammophonen und Schellack- Platten. Er erzählte uns, dass es bald den Angelschein nur noch mit einer Prüfung geben wird. So lernten wir 8 Doppelstunden lang für einen Zettel. Ich konnte mit dem Zettel nichts anfangen, ich war ja erst 10. Als ich dann aber zwei Jahre später beim Ordnungsamt Hamburg- Nord in der Kümmelstraße meinen ersten Angelschein erhielt, musste ich diesen Zettel vorlegen. Auf dem Zettel stand, dass ich erfolgreich eine Sportfischer-Prüfung nach 8 Doppelstunden bestanden habe. Für mich war es gar keine Prüfung, ich wusste sowieso viel mehr von den Fischen in der Alster, als die alten Männer, die von mir irgendwelche Kreuze auf einem Zettel haben wollten.
Irgendwann im Frühjahr fuhr mein Vater und mein Onkel mit mir zum Anangeln an den Ilmenau- Kanal. Mein Onkel fuhr über 150 mit seinem neuen VW-Karmen Giha auf der Autobahn bis Harburg. Ich lag hinten auf einer ganz kleinen Bank im Auto, über mir und unter mir Angelkram. Ab Harburg ging es auf dem Elbdeich entlang, in jeder Kurve musste ich mich vor Angelkisten und Eimern, gefüllt mit Anfütterungs- Utensilien, in Deckung bringen.
Am Ilmenau- Kanal wurde erst einmal gefrühstückt und dann bekam jeder eine Nummer. Mit meiner Nummer bin ich dann den Kanal runter gelatscht bis ich ein Schild mit meiner Nummer fand.
Als das Anangeln beendet war, wurde gewogen und gesabbelt. Ich hatte das Gefühl, jeder hätte noch mehr fangen können, wenn bloß die Fische nicht so blöde gewesen wären. Ich habe nichts gefangen, die Strömung kannte ich nicht von meiner Alster. Bei mir dachte ich nur: Kommt mal an die Alster, dann zeige ich euch wie man Fische fängt.
In dem Gasthaus wurde dann wieder gegessen, geraucht und immer noch gesabbelt. Alle passten nicht rein, viele Männer standen im Flur und auch draußen mit ihrem Teller. Es waren mächtig viele Angler dort.
Heute, 50 Jahre später empfinde ich einen großen kameradschaftlichen Zusammenhalt in diesen Begebenheiten, obwohl ich als 10 jähriger damals recht angefressen von den alten Männern war.
Diese Zeilen schrieb ich, um nach zu fragen, wie es bei euch in den Vereinen aussieht. Ich bin Mitglied in einem Verein mit fast 1000 Mitgliedern. Eine Jahres- Hauptversammlung ist schon mit 35 Mitgliedern gut besucht. Eine Angelaktivität mit mehr als 20 Anglern gehört zur gut besuchten Veranstaltung. Ich gewinne immer stärker das Gefühl, der Angelverein von heute ist zur Kartenausgabestelle gegen Bezahlung degradiert.
Schreibt doch mal, wie es in eurem Verein so läuft!